BYD spaltet Forschung auf: 20 % Absatzminus
BYD (比亚迪) reagiert auf einen abrupten Absatzrückgang von 20 Prozent mit einem tiefgreifenden Strukturwandel. Wie die chinesische Nachrichtenseite Sina berichtet, wird der Konzern das zentrale Automotive Engineering Research Institute in fünf separate Marken-Forschungszentren aufspalten. Ziel: die Produktportfolios besser auf die einzelnen Marken abzustimmen und interne Kannibalisierung zu vermeiden. Der Schritt folgt auf einen Absatzrückgang in den ersten fünf Monaten 2025 auf 1,405 Millionen Fahrzeuge.
Neue Struktur für Markenautonomie
Bisher entschied das zentrale Engineering-Team über die Produktdefinition aller BYD-Marken. Künftig sollen die neu geschaffenen Forschungszentren für Dynasty, Ocean, Denza, Fang Cheng Bao und Yangwang eigenständig über Fahrzeugplanung und Frontend-Engineering bestimmen. Das verbleibende zentrale Engineering dient dann nur noch als Technologie-Pool für Schlüsselkomponenten wie die Blade-Batterie, die spezifischen Elektroplattformen und die Elektronikarchitektur. Individuelle Fahrzeuganwendungen und Fahrwerksanpassungen werden vollständig in die Markenteams verlagert.
Wie Sina weiter berichtet, bringt diese Dezentralisierung die Engineering-Entscheidungen näher an den Markt. Bisher waren die Vertriebsteams von den Design-Entscheidungen abgekoppelt.
Finanzielle Eigenverantwortung
Gleichzeitig führt BYD eine eigenständige Gewinn- und Verlustrechnung für jede Marke ein. Dynasty, Ocean, Denza und Fang Cheng Bao müssen künftig eigenwirtschaftlich arbeiten. Einzige Ausnahme: die Luxusmarke Yangwang, die vorerst von kurzfristigen Profitabilitätszielen ausgenommen ist. Beim Zugriff auf konzernweite Ressourcen werden interne Verrechnungspreise zu Marktkonditionen fällig. Das soll die Kosteneffizienz steigern, könnte aber auch zu verstärktem Wettbewerb um Ressourcen zwischen den Schwesterdivisionen führen.
Neue Modelle und Marktabdeckung
BYD bedient mit seinen Marken eine immense Preisspanne: Einstiegsmodelle ab ca. 12.800 € (ca. 100.000 Yuan)* bis zu Hochleistungsfahrzeugen über ca. 128.000 € (ca. 1.000.000 Yuan).* Diese Breite führte zu Überschneidungen – besonders zwischen den preislich nahen Baureihen Ocean und Dynasty. Gleichzeitig treibt BYD die Premiumstrategie voran:
- Dynasty Great Tang – vollgroßer Crossover, 0–100 km/h in 3,9 Sekunden, Startpreis in China ab ca. 33.200 € (ca. 259.000 Yuan)*
- Ocean Seal 08 – Hochvolt-Limousine, Auslieferung an Händler in Kürze
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt. Europäische Preise liegen aufgrund von Importzöllen und Ausstattungsunterschieden teils deutlich höher.
Der operative Umbau ist eine direkte Reaktion auf den Absatzrückgang und folgt einem ähnlichen Dezentralisierungsansatz wie bei Geely Automobile, um langfristig stabile Premiummargen zu sichern.
BYD ist in Deutschland mit mehreren Modellen vertreten (z. B. Atto 3, Seal, Dolphin). Die Neuausrichtung könnte langfristig die Modellpalette für den europäischen Markt schärfen und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber deutschen Herstellern stärken.


