CATL: Natrium-Batterie-Speicher für Europa
CATL kündigt Natrium-Batteriespeicher für München an
Der chinesische Batteriehersteller CATL (宁德时代) hat die Vorstellung seines stationären Natrium-Batteriesystems „Tianheng" für den 22. Juni 2026 in München angekündigt. Europa-Chefin Xu Jinmei soll die Serienproduktion noch im selben Jahr bekannt geben. Bereits zwei Monate zuvor unterzeichnete das Unternehmen einen Dreijahresauftrag über 60 GWh für Natrium-Speicher – fast das Siebenfache der weltweiten Natrium-Batterieproduktion von 2025.
Während die Festkörper-Batterie als „nächster großer Wurf" von der gesamten Branche gefeiert wird, herrscht bei Natrium-Batterien auffällige Stille – bis auf CATL. Der Batteriehersteller ist derzeit der einzige Anbieter, der Natrium-Zellen sowohl in Pkw als auch in stationären Speichern kommerziell einsetzt. Warum?
Technologische Hürden und drei Wege
Natrium-Batterien bieten klare Vorteile: günstige, heimische Rohstoffe, hohe theoretische Zyklenlebensdauer, gute Kälteperformance und thermische Stabilität – sie brennen nicht. Der Nachteil: geringere Energiedichte. CATL gibt 175 Wh/kg an, nah am Niveau moderner LFP-Zellen (180–200 Wh/kg). Unklar bleibt, ob es sich um Zell- oder Packdichte handelt. Damit eignen sich Natrium-Batterien vor allem für Nutzfahrzeuge, Wechselakkus und stationäre Speicher.
Die Technologie teilt sich in drei Pfade:
- Schichtoxid: Höhere Energiedichte, von CATL gewählt – für Pkw und Speicher.
- Polyanion: Längere Zyklen (bis 10.000 Zyklen), von BYD (比亚迪) mit seiner Tochter FinDreams bevorzugt, fokussiert auf Speicher.
- Preußenblau/Weiß: Günstig, aber risikoreich: Wasser kann zu Blausäurebildung führen, daher für Pkw ungeeignet.
Warum zögern andere Hersteller?
Die Produktion von Natrium-Batterien ist keine bloße „Linienumstellung". Zwar können Maschinen wie Kugelmühlen und Beschichter teils genutzt werden, doch die größte Herausforderung liegt in der negativen Elektrode: Natrium-Zellen benötigen Hartkohle, da Graphit kaum Natrium-Ionen aufnehmen kann. Hartkohle neigt zur Gasbildung, was zu Aufblähungen führt. Positiv: Sowohl Plus- als auch Minuspol können mit Aluminiumfolie kontaktiert werden (kein Kupfer nötig). Negativ: Die Haftung der Folie an den Elektroden ist schwach – eine anspruchsvolle Verbindungstechnik.
Zudem erfordert die Fertigung eine deutlich strengere Luftfeuchtigkeitskontrolle als Lithium-Zellen. Eine einfache Umstellung bestehender Linien reicht nicht.
Strategische Bedeutung: Gegen die Rohstoffabhängigkeit
Nach 2020 war Natrium kurzzeitig vom Radar verschwunden – weil der Lithiumpreis auf unter 50.000 Yuan/Tonne (ca. 6.400 €/Tonne) fiel. Doch Konzerne wie CATL und BYD denken langfristig. Die Abhängigkeit Chinas von importiertem Lithiumcarbonat ist auf 60 % gestiegen. Natrium-Batterien sind ein strategisches Druckmittel gegenüber rohstoffreichen Ländern – ein Signal, dass Alternativen bereitstehen.
CATL ist bislang der einzige Hersteller, der Natrium-Batterien für Pkw erfolgreich kommerzialisiert hat – inklusive Sicherheitszertifizierung (MIIT), 12–18 Monate Entwicklungszyklus mit OEMs und kompletter Neuauslegung von Batteriemanagement, Thermomanagement und Crash-Sicherheit. BYD investiert ebenfalls Milliarden in Natrium, liegt aber geschätzt ein bis zwei Quartale zurück und konzentriert sich auf Speicher.
Fazit: Ein Mosaikstein in der Produktstrategie
Natrium-Batterien werden nie die Hauptrolle spielen, aber sie sind eine entscheidende Karte – für eine robuste Produktpalette und für die Versorgungssicherheit. CATLs Produktmatrix zeigt: Kirin (Hochleistung), Xiaoyao (Mittelklasse), Shenxing (Massenmarkt), Tianxing (Nutzfahrzeuge) – und jetzt Natrium als wirtschaftliche, kältefeste Ergänzung.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
CATL ist mit eigener Fabrik in Deutschland präsent (Thüringen). Der stationäre Speicher „Tianheng" wird 2026 in München vorgestellt, ein Verkaufsstart in Deutschland ist für Ende 2026 erwartet.

