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BYDSinaVon 3 Min. Lesezeit

CATL treibt Natrium-Batterien voran – Analyse der Doppelstrategie

CATL setzt als einziger Hersteller parallel auf Natrium-Zellen für E-Autos und stationäre Speicher. Die Technologie bietet Kostenvorteile, kämpft aber mit niedriger Energiedichte. Ein Überblick über den Stand der Entwicklung.

CATL treibt Natrium-Batterien voran – Analyse der Doppelstrategie

Der chinesische Batterieriese CATL (宁德时代) treibt die Natrium-Ionen-Technologie mit Hochdruck voran. Während Wettbewerber wie BYD (比亚迪) sich auf Speicheranwendungen konzentrieren, verfolgt CATL eine aggressive Doppelstrategie: Natrium-Zellen sowohl in Pkw als auch in stationären Speichern einzusetzen. Nach Unternehmensangaben soll die Serienproduktion noch im Laufe dieses Jahres anlaufen – bisher ohne konkrete Terminangaben für die europäische Markteinführung.

Berichten zufolge hat CATL in München ein erstes stationäres Natrium-Speichersystem namens „Tianheng“ vorgestellt. Branchenkreisen zufolge könnte das Unternehmen einen Dreijahresauftrag über 60 GWh für solche Speicher erhalten haben – das entspräche rund dem Siebenfachen der weltweiten Natrium-Produktion von 2025. Offizielle Bestätigungen für diese Zahl liegen jedoch nicht vor.

Technische Herausforderungen und Vorteile

Natrium-Batterien haben klare Stärken, aber auch einen entscheidenden Schwachpunkt:

  • Energiedichte: CATL gibt 175 Wh/kg an – unklar ist, ob Zell- oder Packebene. Moderne LFP-Batterien liegen bei 180–200 Wh/kg.
  • Kosten: Natriumcarbonat ist günstig und in großen Mengen verfügbar. Die Abhängigkeit von Lithium-Importen sinkt.
  • Sicherheit: Hohe thermische Stabilität, keine Brandgefahr.
  • Kälteleistung: Deutlich besser als Lithium-Ionen-Zellen.
  • Nachteil: Geringere Energiedichte – daher eher für Kleinfahrzeuge, Nutzfahrzeuge und stationäre Speicher geeignet als für große E-Limousinen.

Der größte technische Knackpunkt ist die Anode: Natrium benötigt Hartkohle statt Graphit. Die Gasbildung während des Ladezyklus muss beherrscht werden, sonst drohen Aufblähungen. Zudem ist die Haftung von Aluminiumfolie an den Elektroden schwierig. Auch die extreme Feuchteempfindlichkeit der Natriumzelle stellt hohe Anforderungen an die Fertigung – eine bloße Umrüstung bestehender Lithium-Linien reicht nicht.

Lithiumpreise und strategische Motive

Nach einem starken Preisverfall lag Lithiumcarbonat zeitweise unter 10.000 € pro Tonne – eine Zahl, die immer noch weit über den Kosten für Natrium liegt. Die Lithiumpreise haben sich 2025 bei etwa 10.000 bis 15.000 €/t eingependelt. Für Großkonzerne wie CATL geht es jedoch nicht nur um kurzfristige Rohstoffkosten, sondern um strategische Unabhängigkeit.

China importiert inzwischen rund 60 Prozent seines Lithiumcarbonat-Bedarfs, und viele rohstoffreiche Länder schränken den Export von Erzen und Vorprodukten ein. Natrium-Batterien sind daher nicht nur eine technische Alternative, sondern auch ein geopolitischer Hebel: Sie signalisieren Ressourcenländern, dass sie nicht auf ewige Abhängigkeit bauen können.

Wer liegt vorn?

Nach Einschätzung von Branchenexperten ist CATL derzeit der einzige Hersteller, der Natrium-Zellen für Pkw in Serie produziert und konkrete Kooperationsmodelle mit Autoherstellern vorweisen kann. BYD konzentriert sich dagegen zunächst auf stationäre Speicher – eine strategische Entscheidung, die durch die Wahl der Polyanion-Technologie (längere Zyklenlebensdauer, aber geringere Energiedichte) bedingt ist.

CATL setzt auf Schichtoxide mit höherer Energiedichte. Das Unternehmen investiert massiv, um auch in der Pkw-Sparte Fuß zu fassen. Der Zeitvorsprung gegenüber BYD wird auf ein bis zwei Quartale geschätzt.

Fazit für den Markt

Natrium-Batterien werden Lithium-Ionen-Zellen nicht ersetzen, aber sie füllen eine Nische: Dort, wo Kosten und Sicherheit priorisiert werden oder niedrige Temperaturen eine Rolle spielen. Für CATL sind sie ein strategisches Instrument, um das Produktportfolio zu verbreitern und die Lieferkette zu diversifizieren. Inwieweit die Technologie auch in Europa Fuß fassen kann, hängt von den weiteren Entwicklungen in der Serienreife und den Rohstoffpreisen ab.


Die vorgestellten Systeme und Zellen sind bisher nicht in Deutschland erhältlich. CATL plant jedoch, stationäre Speicher und möglicherweise auch Fahrzeugzellen für den europäischen Markt zu produzieren – ein konkreter Zeitplan steht noch aus.

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