TIES zeigt 588-Ah-Hybridzelle: NIO-Partner umgeht CATL-Engpass
Der NIO-Batterielieferant Tianmu Lake Institute of Advanced Energy Storage Technologies (TIES) hat auf einem Seminar in Tianmu seine nächste Generation von flüssig-fest-Hybridzellen vorgestellt. Die beiden neuen Formate mit 314 Ah und 588 Ah Kapazität nutzen ein Verfahren namens In-situ-Verfestigung: Dabei wird der flüssige Elektrolyt innerhalb der Zellhülle chemisch in eine stabile Feststoffmatrix umgewandelt. Entwickelt wurde die Technologie von denselben Ingenieuren, die hinter dem 150-kWh-WeLion-Akku von NIO (蔚来) stecken.
Technische Details der TIES-Zellen
Die Zellen basieren auf einer Lithium-Eisen-Phosphat-Chemie (LFP) und sind für zwei Anwendungen ausgelegt:
- 314-Ah-Variante: dient als universelle Standard-Industriezelle
- 588-Ah-Variante: optimiert für Langzeit-Energiespeicher mit verlängerten Entladezeiten
Beide Formate skalieren die Energiedichte, die aktuell in chinesischen Elektroauto-Kreisen diskutiert wird. Angaben zur resultierenden Fahrzeug-Reichweite nach CLTC machte TIES nicht.
CLTC (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP)
Neue Norm als Produktionsbeschleuniger
Die Herstellung profitiert von einer frischen nationalen Norm, die am 1. Juli in Kraft tritt: Zellen mit 5 bis 20 Prozent Flüssigkeitsanteil dürfen künftig als flüssig-fest-Hybrid eingestuft werden. Herkömmliche Fabriken für Nasszellen können ihre Linien mit weniger als zehn Prozent Umbau anpassen. So vermeidet TIES eine teure Neuinvestition in reine Feststoff-Produktionsanlagen, die laut Branchenschätzungen rund 8,0 Milliarden € (ca. 62,36 Milliarden Yuan) verschlingen würde*.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Die Pilotlinie von TIES produziert die Zellen bereits.
Marktpositionierung gegen CATL
Die Markteinführung trifft auf eine Zeit, in der große Zulieferer wie CATL bei der Feststoffentwicklung ins Stocken geraten. Interne Bewertungen zeigen, dass der Marktführer bei reinen Feststoffzellen nur einen mittleren Reifegrad erreicht hat. Das eröffnet schlagkräftigeren Joint Ventures wie TIES die Chance, leistungsfähige Zellen schneller in den Handel zu bringen. TIES hat zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Yellow River Delta Jinbo Chemical Research Institute geschlossen, um die Lieferkette für Rohmaterialien zu sichern. Parallel wurde eine spezialisierte Prüflösung gestartet, die die Qualitätskontrolle über Materialien und Membranen optimiert.
Bedeutung für NIO und Deutschland
Da NIO (蔚来) bereits Fahrzeuge in Deutschland anbietet, könnte eine erfolgreiche Skalierung der Hybridzellen langfristig auch die Reichweiten und Kosten europäischer NIO-Modelle beeinflussen. Zunächst bleibt die Produktion jedoch auf den chinesischen Markt beschränkt. Eine konkrete zeitliche Perspektive für Europa gab TIES nicht.
Die vorgestellten Zellen sind ein Technologiebaustein des NIO-Zulieferers TIES. NIO selbst ist mit Modellen wie dem ET7 und EL6 in Deutschland erhältlich. Ein direkter Einsatz der neuen Zellen in europäischen Fahrzeugen ist bislang nicht angekündigt – eine Expansion nach Europa ist aber denkbar.


