Chery setzt auf Kohle: Natrium-Batterie-Anoden unter 3.800 €
Chinesische Autohersteller wie Chery (Chery) treiben die nächste Generation von Natrium-Ionen-Batterien voran – und setzen dabei überraschend auf Kohle. Grund: Die bisher bevorzugten Rohstoffe für die Anoden, Kokosnussschalen aus Südostasien, sind knapp und teuer. Um die geplante Massenproduktion von E-Autos mit Natrium-Zellen nicht zu gefährden, wird die Produktion auf heimische Anthrazitkohle umgestellt.
Die Kokosnuss-Krise
Bisher wurden Hartkohlenstoff-Anoden überwiegend aus verkohlten Kokosnussschalen hergestellt. Doch das birgt ein Problem: Die landwirtschaftlichen Rohstoffe kommen fast ausschließlich aus Südostasien. Chinesische Tropenkulturen liefern nur genug für maximal 6,3 GWh Batteriekapazität pro Jahr. Der erwartete Bedarf an Natrium-Zellen liegt bis 2027 jedoch bei über 100 GWh. „Ein ausländisches Kokosnuss-Monopol wäre ein unhaltbarer Materialengpass, der die Montagebänder stoppen könnte", heißt es aus der Branche.
Die Kohle-Lösung
Um diese Abhängigkeit zu durchbrechen, setzen chinesische Chemieunternehmen auf heimische Anthrazitkohle. In speziellen Hochtemperaturprozessen wird daraus hochreiner nicht-graphitierbarer Kohlenstoff gewonnen. Der entscheidende Vorteil: Die Ausbeute liegt bei 45 % des Rohstoffs – bei Kokosnussabfällen sind es nur 2,5 %. Damit sichert sich China eine unabhängige, lokale Lieferkette. Chery und andere Hersteller profitieren direkt von dieser Umstellung, da sie ihre Einstiegs-Elektroautos mit günstigeren Batterien ausstatten können.
Kostenvorteile drücken Preise
Die Umstellung zeigt bereits Wirkung: Die Kosten für Hartkohlenstoff-Anoden sind unter 30.000 Yuan pro Tonne gefallen – das sind ca. 3.800 € (ca. 30.000 Yuan)*. Langfristiges Ziel der Zulieferer ist ein Preis unter 20.000 Yuan pro Tonne (ca. 2.600 €). Niedrigere Materialkosten beschleunigen die Kommerzialisierung von Natrium-Ionen-Batterien in Einstiegs-Elektroautos. Bereits heute entfallen 77 % der Natrium-Zellen-Lieferungen auf Poly-Anion-Kathoden, die sich durch besonders lange Lebensdauer auszeichnen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Chery ist in Deutschland nicht als Marke vertreten, wohl aber die Tochter Omoda, die 2025 erste Modelle auf den Markt bringt. Die hier beschriebene Batterietechnologie könnte künftig auch in Europa angeboten werden – ein konkreter Termin steht jedoch noch nicht fest.


