Chery exportiert 70% seiner Autos – Omoda E5 kommt nach Deutschland
Der chinesische Automarkt erlebt einen historischen Strukturwandel. Nach Daten des chinesischen Automobilverbands (CAAM) brachen die Inlandsverkäufe im Juni 2026 um 26,4 % auf rund 1,5 Millionen Fahrzeuge ein. Besonders dramatisch: Reine Verbrenner sanken um 49,9 % auf nur noch 490.000 Einheiten. Im ersten Halbjahr 2026 summierten sich die Verbrenner-Verkäufe auf 3,694 Millionen – ein Minus von 31,9 % gegenüber dem Vorjahr. Vergleichbare Einbrüche gab es seit vier Jahren nicht mehr.
Während der Inlandsmarkt schrumpft, explodieren die Exporte: Von Januar bis Juni exportierte China 5,096 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von 65,3 %. Davon entfielen 4,432 Millionen auf Pkw. Chery (奇瑞) führt die Exporttabelle an – der Hersteller verkauft 70 % seiner Produktion außerhalb Chinas und ist damit der erste wirklich exportorientierte Autohersteller des Landes. Der Exportanteil von Chery liegt bei beeindruckenden 70 %, die Gesamtausfuhren der Marke stiegen im ersten Halbjahr um über 65 %.
Strukturelle Abwanderung zur E‑Mobilität
Die Talfahrt der Verbrenner ist nicht allein mit hohen Ölpreisen zu erklären. Zwar zog Rohöl nach dem Nahostkonflikt im Frühjahr 2026 auf über 100 Dollar pro Barrel an – doch selbst nachdem der Preis im Juli 2026 unter 70 Dollar gefallen ist, erholt sich die Verbrennernachfrage nicht. „Der Ölpreis war nur der letzte Anstoß“, analysieren Marktbeobachter. Viele chinesische Autofahrer, die ohnehin mit dem Umstieg auf Elektro liebäugelten, haben sich endgültig entschieden. Die Folge: Internationale Hersteller reagieren mit Sparprogrammen – Stellenabbau, Werksschließungen, gestoppte EV‑Investitionen. In China hingegen kamen über 600 neue Modelle und Facelifts auf den Markt, aber kaum eines mit Verbrenner. Das Angebot fehlt, die Nachfrage bricht weg.
BEV vs. EREV: Das Ende der Reichweitenangst
Innerhalb der E‑Mobilität zeichnet sich eine Spaltung ab: Reine Stromer (BEV) legten im Juni um 26,9 % zu, Plug‑in‑Hybride um 18,1 %. Dagegen brachen Range‑Extender‑Elektrofahrzeuge (EREV – ein Verbrenner als reiner Generator) um 25,2 % ein. In den Top 10 der meistverkauften Elektroautos im ersten Halbjahr findet sich nur noch ein einziges EREV‑Modell. Das einstige Kernargument „keine Reichweitenangst“ verliert an Bedeutung. Immer mehr BEV‑Modelle erreichen 800 km CLTC (entspricht ca. 680 km WLTP-Schätzwert), Megawatt‑Lader und ein dichtes Wechselstationennetz machen die Batterie zum neuen Standard. EREV hingegen leidet unter höheren Wartungskosten und dem Gewicht des zweiten Motors.
Exportboom: Chery mit 70 % Exportquote
Während der Inlandsmarkt schwächelt, wird der Export zum Rettungsanker. Chery hat sich als erster chinesischer Hersteller zu einem weltweit agierenden Exporteur entwickelt. 70 % seiner Fahrzeuge gehen ins Ausland – ein neuer Rekord für die Branche. Der Gesamtexport Chinas wird 2026 voraussichtlich die Marke von 10 Millionen knacken und damit den bisherigen Weltrekord Japans (6,85 Mio. im Jahr 1985) deutlich übertreffen. „Der chinesische Industrieapparat – von Rohstoffen über Batterien bis zur Fahrzeugfertigung – ist so effizient, dass selbst Zölle den Vorsprung kaum einebnen können“, urteilen Analysten. Selbst in Regionen mit schwachem Stromnetz (etwa Afrika oder Lateinamerika) punkten chinesische EVs mit ihrer V2L‑Funktion: Die Hochvoltbatterie dient als mobile Stromquelle für Haushalte und kleine Betriebe.
Cherys Europa-Expansion
Chery bereitet den Angriff auf den europäischen Markt mit Hochdruck vor. Flaggschiff ist der vollelektrische Omoda E5, ein kompaktes SUV, das in China bereits ab ca. 18.000 € (ca. 140.000 Yuan) startet. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen. Die wichtigsten technischen Daten des Omoda E5:
- Antrieb: Elektro, Frontantrieb
- Leistung: ca. 150 kW (204 PS)
- Batterie: 61 kWh (LFP)
- Reichweite: 450 km (CLTC) – entspricht ca. 380 km (WLTP-Schätzwert)
- Laden: 80 kW DC (10–80 % in ca. 35 min)
- Preis in China: ab ca. 18.000 € (ca. 140.000 Yuan)
Der Omoda E5 soll voraussichtlich 2026 in Deutschland auf den Markt kommen. Damit positioniert sich Chery als ernstzunehmender Herausforderer für VW ID.4, MG4 und BYD Atto 3 – mit einem Preisvorteil, der auch nach Zollkosten bestehen dürfte. Chery selbst exportiert bereits in über 80 Länder und baut sein Händlernetz in Europa kontinuierlich aus.
Der deutsche Autofahrer kann gespannt sein: Chinas Exportoffensive bringt nicht nur mehr Auswahl, sondern auch Druck auf die Preise. Der Verbrenner ist in China bereits auf dem Rückzug – und die Elektro-Offensive erreicht nun auch Europa.
Chery ist mit dem Omoda 5 (Verbrenner) bereits in Deutschland vertreten. Der rein elektrische Omoda E5 wird voraussichtlich 2026 in Deutschland eingeführt. (Stand: Juli 2026)

