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CherySinaVon 4 Min. Lesezeit

Chinesischer Automarkt: Verbrenner-Absatz halbiert, Exporte boomen

Im Juni 2024 brachen die Verkäufe von Verbrennern in China um fast 50 % ein, während die Exporte um 75 % auf über eine Million Fahrzeuge explodierten. Der Strukturwandel zur Elektromobilität beschleunigt sich rasant.

Chinesischer Automarkt: Verbrenner-Absatz halbiert, Exporte boomen

Der chinesische Automarkt befindet sich in einem historischen Umbruch. Im Juni 2024 sackte der Inlandsabsatz von Pkw mit Verbrennungsmotor um 49,9 % ab, während die Exporte um 75,1 % auf über eine Million Fahrzeuge pro Monat zulegten. Das zeigen Daten des chinesischen Industrieverbands (CAAM) und der Handelsvereinigung CPCA.

Inland: Benzin-Autos stürzen ab, Neuwagen verstopfen die Lager

Im ersten Halbjahr 2024 gingen die Pkw-Verkäufe in China um 24,3 % zurück. Besonders hart traf es Verbrenner: Nur 3,69 Millionen Einheiten wurden verkauft – ein Minus von 31,9 %. Der Druck lastet vor allem auf Joint Ventures westlicher Hersteller, die ihre Lager mit unverkauften Fahrzeugen füllen. Der Rückgang ist so stark wie seit vier Jahren nicht mehr.

Die oft genannte Ursache „hohe Ölpreise" erklärt den Absturz nicht mehr. Seit Juni fallen die Rohöl- und Benzinpreise wieder, doch die Verbrennerverkäufe erholen sich nicht. Grund ist eine strukturelle Nachfrageverschiebung hin zu Elektroautos. Viele Verbraucher haben ihre Kaufentscheidung bereits mental auf E-Autos umgestellt.

Im ersten Halbjahr kamen über 600 neue Modelle und Updates auf den Markt. Doch kaum eines konnte die Nachfrage nach Verbrennern wiederbeleben. Die Hersteller konzentrieren sich auf die Umstrukturierung, während Joint Ventures mit großen Lagerbeständen kämpfen.

Neue Energien: BEV ziehen davon, EREV verlieren an Reiz

Während reine Elektroautos (BEV) im Juni um 26,9 % zulegten, brachen die Verkäufe von Fahrzeugen mit Range Extender (EREV) um 25,2 % ein. Plug-in-Hybride (PHEV) wuchsen nur noch schwach (+18,1 %). In den Top-10 der meistverkauften New-Energy-Fahrzeuge findet sich nur noch ein einziges EREV-Modell.

Der Grund: Die einstige Stärke der EREV – keine Reichweitenangst – wird von langstreckentauglichen BEV mit 800 km CLTC und schnellem Laden zunehmend entkräftet. Der CLTC (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) wird von den immer längeren Reichweiten dominiert. Mehrkosten, Wartungsaufwand und Fehlerrisiko durch den zusätzlichen Verbrenner schrecken Käufer ab. Nur in abgelegenen Regionen ohne Ladeinfrastruktur behalten EREV eine Nische.

Exporte: China auf Rekordkurs – historischer Vergleich korrigiert

Im ersten Halbjahr 2024 exportierte China 5,1 Millionen Fahrzeuge – 65,3 % mehr als im Vorjahr. Im Juni allein waren es 1,04 Millionen, darunter 905.000 Pkw. Spitzenreiter ist Chery (奇瑞), das bereits 70 % seiner Fahrzeuge ins Ausland liefert, gefolgt von Geely (吉利) mit einem Exportwachstum von 150 %. Der Gesamtexport 2024 dürfte die Marke von zehn Millionen Fahrzeugen überschreiten.

Zum Vergleich: Japans bisheriger Höchststand lag bei rund 6,8 Millionen Fahrzeugen im Jahr 1985 (im Monatsmittel etwa 570.000). Chinas aktuelles Niveau übertrifft dies bereits monatlich – ein Beleg für die gewaltige industrielle Basis des Landes. Die chinesische Exportstärke beruht nicht allein auf Subventionen, sondern auf der gesamten Wertschöpfungskette: von Rohstoffaufbereitung über Batterieproduktion bis zur Fahrzeugfertigung.

Europa: Zölle bremsen, Produktionstechnologie bleibt das Ziel

Die EU hat Anti-Subventionszölle auf chinesische E-Autos verhängt. Doch wie die Branche beobachtet, zielen die Maßnahmen vor allem darauf ab, chinesische Batterie-Produktionstechnologien zu erhalten. Der Zusammenbruch des europäischen Batterieherstellers NorthVolt zeigt, wie schwierig der Aufbau eigener Fertigungskapazitäten ist. Chinesische Hersteller liefern nicht nur Fahrzeuge, sondern die gesamte Industrietechnik.

In Entwicklungsländern punkten chinesische E-Autos mit der Möglichkeit, Strom aus der Fahrzeugbatterie zu entnehmen – ein entscheidender Vorteil bei instabiler Stromversorgung. Die Exporte von E-Autos wuchsen im ersten Halbjahr um 120 % und holen rasant zu den noch dominierenden Exporten von Verbrennern auf.

Ausblick: Verbrenner-Anteil fällt weiter

Der Anteil der Verbrenner am chinesischen Neuwagenmarkt liegt bereits unter 30 %. Branchenkenner erwarten einen weiteren Rückgang auf 20 %, sobald Feststoffbatterien in Serie kommen. Die heimische Nachfrage wird durch die wachsenden Exporte mehr als ausgeglichen. Der chinesische Automarkt hat den Wendepunkt zur Elektromobilität endgültig überschritten – der Wettbewerb dreht sich nur noch um die Geschwindigkeit des Wandels.


Ein Markteintritt der genannten Marken in Deutschland ist bislang nicht bestätigt.

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