Chery exportiert 70 %: Chinas Autoexporte steigen um 65 %
Der chinesische Automarkt erlebt in der ersten Jahreshälfte 2025 eine historische Spaltung: Während der Inlandsabsatz massiv einbricht, schießen die Exporte in nie gekannte Höhen. Laut Daten der chinesischen Automobilverbände CPCA (China Passenger Car Association) und CAAM (China Association of Automobile Manufacturers) sanken die Pkw-Verkäufe im Inland von Januar bis Juni auf insgesamt 8,288 Millionen Einheiten – ein Minus von 24,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im Juni brachen die Neuzulassungen um 26,4 % ein, Verbrennerfahrzeuge sogar um 49,9 %.
Inlandsmarkt unter Druck
Der Einbruch trifft vor allem traditionelle Verbrenner: Im ersten Halbjahr wurden nur noch 3,694 Millionen Benziner und Diesel verkauft – ein Rückgang von 31,9 %. Die Hersteller verschiffen weiterhin viele Fahrzeuge an die Händler, was zu immer höheren Lagerbeständen führt. Insbesondere Joint-Venture-Marken mit starkem Verbrennerfokus spüren den Druck. Experten sehen die Ursache nicht allein in gestiegenen Ölpreisen, sondern vor allem in einem strukturellen Wandel: Immer mehr Käufer wechseln zu Elektroautos und kehren selbst bei sinkenden Spritpreisen nicht zu Verbrennern zurück.
Export als Wachstumsmotor
Während die Inlandsnachfrage schwächelt, explodieren die Exporte: 5,096 Millionen Fahrzeuge verließen im ersten Halbjahr chinesische Häfen, davon 4,432 Millionen Pkw – ein Plus von 65,3 %. Allein im Juni wurden 1,037 Millionen Einheiten exportiert. Damit nähert sich China unaufhaltsam dem japanischen Rekord von 6,85 Millionen Exporten aus dem Jahr 1985. Chery (奇瑞) führt die Exportstatistik an: 70 % der Produktion gehen ins Ausland, womit der Hersteller zum ersten wirklich exportorientierten chinesischen Autobauer wird. Geely (吉利) verzeichnet mit 150 % das höchste Exportwachstum der Branche.
Technologischer Wandel: BEV legt zu, EREV verliert
Der Markt für New Energy Vehicles (NEV) zeigt ebenfalls eine klare Richtung: Reine Elektroautos (BEV) steigerten ihre Verkäufe im ersten Halbjahr um 13 %, während Plug-in-Hybride (PHEV) und Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (EREV) gemeinsam um 2,5 % zurückgingen. Im Juni brachen die Verkaufszahlen für EREV – Fahrzeuge mit Verbrennermotor als Generator – sogar um 25,2 % ein. Der einstige Vorteil der EREV, die fehlende Reichweitenangst, schwindet zunehmend, da BEV mit Reichweiten von über 600 Kilometern (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) und Schnellladetechnik immer alltagstauglicher werden. Experten sehen die Zukunft klar bei den vollelektrischen Antrieben; sobald Feststoffbatterien serienreif sind, dürften Verbrenner und EREV endgültig an Bedeutung verlieren.
Chinas industrielle Basis treibt Export
Der Exportboom ist kein kurzfristiger Strohfeuer, sondern basiert auf der einzigartigen industriellen Basis Chinas – von Rohstoffen über die Batterieproduktion bis zur Fahrzeugmontage. Diese vollständige Lieferkette ermöglicht Kostenvorteile, die durch Zölle oder Handelshemmnisse nur schwer auszugleichen sind. In vielen Schwellenländern, etwa in Afrika oder Lateinamerika, sind chinesische E-Autos besonders gefragt, weil ihre Batterien als mobile Energiespeicher für Haushalte genutzt werden können – ein entscheidender Vorteil bei unzuverlässiger Stromversorgung. Die Exporte von E-Autos wuchsen mit 120 % doppelt so schnell wie die von Verbrennern (35,5 %). Analysten erwarten, dass die Elektroauto-Exporte die Verbrenner-Exporte noch in diesem Jahr übertreffen werden.
Chery ist mit Modellen wie dem Omoda 5 und dem Tiggo 8 Pro bereits in Deutschland erhältlich, der Fokus liegt jedoch zunehmend auf Elektroautos. Ein offizieller Termin für die Markteinführung weiterer reiner E-Modelle steht noch aus.

