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CherySinaVon 4 Min. Lesezeit

Chery exportiert 70%: Exportboom verändert Chinas Automarkt

Chinas Automarkt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel: Inlandsverkäufe brechen ein, Exporte explodieren. Chery (奇瑞) exportiert bereits über die Hälfte seiner Produktion. Reine E-Autos gewinnen, während Range Extender an Bedeutung verlieren – eine Strukturanalyse.

Chery exportiert 70%: Exportboom verändert Chinas Automarkt

Der chinesische Automobilmarkt steckt im Umbruch. Während die Inlandsnachfrage schwächelt, erreicht das Exportgeschäft neue Rekordhöhen. Branchenexperten rechnen damit, dass sich der Trend im Jahr 2026 noch verstärken wird. Besonders Chery (奇瑞) profitiert: Der Hersteller exportiert nach eigenen Angaben rund 70 Prozent seiner Produktion und gilt damit als einer der am stärksten internationalisierten chinesischen Autobauer. Auch Geely (吉利) verzeichnete im Export ein Plus von rund 150 Prozent.

Inlandsmarkt unter Druck – Prognosen für 2026

Die Verkaufszahlen im Inland zeigen seit Monaten eine negative Tendenz. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten einen Rückgang der Pkw-Verkäufe um rund 20 Prozent, sollte der Trend anhalten. Die Gründe sind vielfältig: Die staatliche EV-Kaufprämie (国补) wurde zum Jahresende 2024 ausgelaufen, und viele Käufer hatten ihre Neuwagenkäufe vorgezogen. Zudem leidet der Markt unter den Folgen eines intensiven Preiskampfs. Anders als noch vor einigen Jahren lässt sich der Abschwung nicht allein auf hohe Ölpreise zurückführen. Selbst nachdem der Rohölpreis im Sommer 2025 unter 70 US-Dollar pro Barrel fiel, erholte sich die Nachfrage nach Verbrennern nicht.

Stattdessen zeigt sich ein struktureller Wandel: Immer mehr Kunden wechseln zu Elektroautos, auch ohne staatliche Anreize. Die einheimischen Joint Ventures, die stark auf Verbrenner setzen, leiden unter hohen Lagerbeständen. Die Modellpalette an attraktiven Verbrennern schrumpft: Von den über 600 Neuheiten und Modellpflegen im ersten Halbjahr 2025 richtet sich nur ein Bruchteil an Verbrenner-Kunden.

Elektroauto-Trend: BEV gewinnt, Range Extender verliert

Innerhalb des New-Energy-Segments zeigt sich eine zunehmende Polarisierung. Reine E-Autos (BEV) legten im ersten Halbjahr 2025 um rund 13 Prozent zu, während Plug-in-Hybride (PHEV) und vor allem Range Extender (EREV, also Fahrzeuge mit Verbrenner als Stromgenerator) einen Rückgang von rund 2,5 Prozent verzeichneten. Besonders die Verkäufe von Range Extendern brachen im Juni 2025 um ein Viertel ein. Der Grund: Das einstige Verkaufsargument „keine Reichweitenangst“ wird durch die Fortschritte bei Schnellladen, größere Batteriekapazitäten (teilweise 70–80 kWh in SUVs) und den Ausbau von Wechselstationen zunehmend entkräftet. Range Extender haben höhere Wartungskosten und mehr Komplexität. Ihr verbleibender Nutzen beschränkt sich auf ländliche Regionen mit schlechter Ladeinfrastruktur. Sobald Feststoffbatterien marktreif sind, wird der Druck auf alle Fahrzeuge mit Tank weiter steigen.

Exporte als Rettungsanker – Chery spitze

Während der Inlandsmarkt schwächelt, entwickelt sich der Export zum großen Hoffnungsträger. Laut Branchenverbänden wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 rund 4,4 Millionen Pkw exportiert – ein Plus von über 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein im Juni 2025 wurden über 900.000 Fahrzeuge ins Ausland verschifft. Der Export von reinen E-Autos wuchs dabei um 120 Prozent, während Verbrenner nur um 35,5 Prozent zulegten. Die Exporte von E-Autos werden die von Verbrennern voraussichtlich noch im Jahr 2025 überholen.

Chery (奇瑞) führt die Exportrangliste an: 70 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Geely (吉利) verzeichnete ein Exportwachstum von 150 Prozent. Damit ist China auf dem besten Weg, den historischen Exportrekord Japans von 6,85 Millionen Fahrzeugen (1985) noch im Jahr 2026 zu brechen.

Wettbewerbsvorteil: Komplette Industriekette

Die globale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Hersteller beruht nicht allein auf einzelnen Technologien, sondern auf der gesamten Lieferkette – von Rohstoffen über Batterieproduktion bis hin zur Fahrzeugfertigung. Dieses Industriegerüst lässt sich nicht einfach durch Handelsbarrieren kopieren. Die europäische Batterieindustrie kämpft mit Produktionsproblemen (siehe NorthVolt-Insolvenz), während chinesische Anbieter bereits die nächste Generation von Batterien und Fertigungstechnologien skalieren.

In vielen Entwicklungsländern mit instabiler Stromversorgung dienen E-Autos zudem als mobile Stromspeicher – die standardmäßige V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) macht sie zu dezentralen Energiequellen. Dieser praktische Nutzen verschafft chinesischen E-Autos einen entscheidenden Vorteil gegenüber Verbrennern.

Fazit: Der Strukturwandel ist irreversibel

Der chinesische Automarkt ist zum globalen Testfeld für die Elektromobilität geworden. Der Inlandsabsatz von Verbrennern liegt bereits unter 30 Prozent Marktanteil und könnte nach Einschätzung von Experten auf 20 Prozent fallen. Der Export gleicht einen Teil der Inlandsverluste aus. Die Ära des verbrennerdominierten Automarkts in China ist endgültig vorbei – der Wandel zur Elektromobilität ist strukturell und nicht nur konjunkturell bedingt. Die Frage ist nur noch, wie schnell er fortschreitet.


Chery ist in Deutschland mit Modellen wie dem Omoda 5 und dem Tiggo 8 Pro vertreten und baut seine Präsenz aus. Der Exportboom chinesischer Hersteller erhöht den Wettbewerbsdruck auf europäische Traditionsmarken.

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