China: Exporte steigen um 65 %, Chery auf Platz 1
Der chinesische Automarkt durchlebt im ersten Halbjahr 2026 eine historische Zäsur. Während die Inlandsverkäufe einbrechen, schießen die Exporte in die Höhe. Der Strukturwandel hin zur Elektromobilität beschleunigt sich rasant.
Inlandseinbruch trifft vor allem Verbrenner
Die Zahlen des chinesischen Automobilverbands CPCA und des Industrieministeriums MIIT zeichnen ein klares Bild: Im Juni 2026 gingen die Pkw-Neuzulassungen in China um 26,4 % auf 1,497 Millionen Einheiten zurück. Besonders hart traf es Verbrenner – nur 490.000 Einheiten wurden verkauft, ein Minus von 49,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Im gesamten ersten Halbjahr summieren sich die Verluste auf 24,3 % (insgesamt 8,288 Millionen Fahrzeuge), während Verbrenner mit 3,694 Millionen Einheiten sogar 31,9 % unter Vorjahr liegen. Ein Großteil der Neuwagen staut sich in den Lagern der Händler, vor allem Joint-Venture-Marken mit Verbrenner-Fokus leiden unter den hohen Lagerbeständen.
Die landläufige Erklärung, hohe Ölpreise seien schuld, greift zu kurz. Zwar stieg der Rohölpreis im März über 100 US-Dollar pro Barrel, doch seit Juni fällt er wieder – unter 70 Dollar. Die Verbrenner-Nachfrage erholt sich dennoch nicht. Stattdessen haben viele Käufer ihren Umstieg auf Elektroautos bereits vollzogen. Diese strukturelle Verschiebung ist irreversibel.
Exporte explodieren – Chery führt
Während der Inlandsmarkt schrumpft, boomen die Exporte: Im ersten Halbjahr wurden 5,096 Millionen Fahrzeuge ausgeführt, darunter 4,432 Millionen Pkw – ein Plus von 65,3 %. Allein im Juni wurden 1,037 Millionen Fahrzeuge exportiert, der Pkw-Anteil stieg um 75,1 %. Führender Exporteur ist Chery (奇瑞) mit einem Exportanteil von 70 % am eigenen Absatz – damit ist Chery der erste wirklich exportorientierte chinesische Hersteller. Geely verzeichnete sogar ein Exportwachstum von 150 %. Branchenexperten gehen davon aus, dass China 2026 die Bestmarke von 6,85 Millionen Exporten aus Japan (1985) übertreffen wird.
Auffällig: Der Export von Elektroautos wuchs mit 120 % doppelt so schnell wie der von Verbrennern (35,5 %). Schwellenländer mit unzuverlässiger Stromversorgung entdecken chinesische E-Autos als mobile Energiespeicher – die standardmäßige bidirektionale Ladefunktion (V2L) macht das Fahrzeug zur Hausstromquelle.
Elektroauto-Erholung, Range Extender auf dem Rückzug
Die Elektroauto-Sparte (NEV) erholt sich schneller als erwartet. Zwar lag der Absatz im ersten Halbjahr insgesamt noch 13,4 % unter Vorjahr, doch im Juni betrug der Rückstand nur noch 0,4 %. Reine Elektroautos (BEV) legten im Juni um 26,9 % zu, Plug-in-Hybride (PHEV) um 18,1 %. Der einst gefeierte Range Extender (EREV) hingegen verlor 25,2 % – nur noch 94.000 Einheiten. Die einstige Stärke „keine Reichweitenangst“ wird durch immer günstigere 800-Volt-Schnellladesysteme und wachsende Wechselstationnetze entwertet. Die Kosten für Wartung und das Mehrgewicht des Verbrenner-Generators schrecken zunehmend ab.
Globale Auswirkungen: Europas Abhängigkeit
Der Bericht unterstreicht Chinas systemische Vorteile: Die gesamte Lieferkette von Rohstoffen über Batterien bis zur Software ist lokal integriert. Versuche der EU, mit Antidumpingzöllen und Technologietransfer-Forderungen gegenzusteuern, haben wenig Erfolg – wie der Bankrott des europäischen Batterie-Start-ups NorthVolt zeigt. Ohne eigene Batterieproduktion bleiben westliche Hersteller abhängig.
Der chinesische Markt dient als „Testlabor“ für die globale Transformation. Der Verbrenner-Anteil ist unter 30 % gefallen, langfristig werden 20 % als Untergrenze gesehen. Erst die kommerzielle Feststoffbatterie könnte diesen Rest noch verdrängen.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa.

