Cockpit-KI in 5 Stufen: Huawei und Great Wall vorne
Mehr als 1.000 Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Politik haben am 8. September in Suzhou (Provinz Jiangsu) den Fachkongress „International Automotive Smart Cockpit Conference 2026" eröffnet. Das Motto: „Allgegenwärtige KI, proaktive Interaktion — Agenten definieren die nächste Cockpit-Generation". Die zentrale Botschaft: Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zusatzfeature mehr, sondern wird zur Basisarchitektur des kompletten Fahrzeugs.
Drei Umbrüche und ein Fünfjahresplan
In seiner Eröffnungsrede skizzierte Hou Fushen, Vize-Generalsekretär der chinesischen Gesellschaft für Automobilingenieure (SAE China), drei tiefgreifende Veränderungen: KI steige von der Anwendungs-App zur nativen Cockpit-Plattform auf, Cockpit und Fahrsystem wüchsen zu einer integrierten Architektur zusammen, und der Wettbewerb verschiebe sich von einzelnen Technologien hin zu übergreifenden Ökosystemen. Mit Blick auf den 15. Fünfjahresplan (2026–2030) forderte er eine solide technologische Basis und eine Rückbesinnung auf reale Alltagsszenarien.
Suzhou positioniert sich dabei als Standort: Nach Angaben der Stadtverwaltung sind dort mehr als 800 Unternehmen der intelligenten Vernetzung ansässig, die Branche kommt auf ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Yuan (ca. 12,8 Milliarden €). In diesem Jahr ging unter anderem das ADAS-Startup Momenta an die Börse, die Open-Source-Community von Baidu (百度) Apollo ließ sich im Bezirk Xiangcheng nieder, und das Ostchina-Hauptquartier des Prüfinstituts CATARC wurde eröffnet. Im Bezirk Xiangcheng allein sind über 460 Unternehmen für Fahrassistenzsysteme (ADAS) aus mehr als 30 Teildisziplinen konzentriert, dazu wurden mehr als 300 km vernetzte Teststraßen gebaut.
Huawei und Great Wall: Das Cockpit wird zum Betriebssystem
Wu Huixiao, Technikvorstand von Great Wall (长城汽车), beschrieb am Beispiel der konzerneigenen Cockpit-Software „Coffee OS" den Wandel von regelbasierten Systemen hin zu einer KI-nativen Entwicklung. Das Cockpit sei inzwischen ein fahrzeugeigenes KI-Betriebssystem mit eigener Wahrnehmung, Echtzeit-Reasoning, domänenübergreifender Zusammenarbeit und Cloud-Anbindung. Für den Export präsentierte Great Wall eine „1+3+N+AI"-Architektur, die globale Zulassungs- und Kulturvorgaben abbilden soll.
Lu Ning, Produktchef für Cockpits im Geschäftsbereich Intelligente Automotive Solutions von Huawei (华为), sieht die Branche auf dem Weg von der passiven Reaktion zur Absichtserkennung und menschenähnlichen Interaktion. Der Hersteller nennt dabei vier Herausforderungen: breite technologische Abdeckung, hohe Individualisierungswünsche, funktionale Gleichförmigkeit und steigende Sicherheitsrisiken. Die HarmonyOS-Cockpit-Plattform setze auf ein Betriebssystem als Basis, eine multimodale Großmodell-Architektur sowie passende Sensor- und Audiosysteme — und biete Herstellern ein offenes Ökosystem für eigene, differenzierende Funktionen.
Fünf Stufen für die Cockpit-KI
CATARC Intelligent stellte ein neues Bewertungsschema vor, das Cockpit-KI in fünf Stufen einteilt: Regelreaktion, Szenenhilfe, proaktive Bedienung, autonome Zusammenarbeit und umfassende Intelligenz. Das Modell deckt Wahrnehmung, Ausführung, Planung und Kooperation ab, bildet zentrale Nutzungsszenarien ab und soll Herstellern eine messbare Vergleichsgröße liefern. Auch das Münchner Startup ModelBest (面壁智能) mischte mit: Dessen Präsident Lei Shengtao forderte „unsichtbare Intelligenz" und verwies auf die vier Schwachpunkte cloudbasierter Lösungen — Latenz, Datenschutz, Offline-Fähigkeit und Kosten. Nötig sei ein On-Device-Gehirn mit mehreren Ebenen und einem mehrstufigen Gedächtnissystem.
Die UHD World Association (世界超高清视频产业联盟) berichtete, dass ihre Standards für HDR-Video und räumlichen Klang bereits in 25 Automarken, 62 Modellen und über 2,8 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeugen zum Einsatz kommen. Forscher der Tsinghua- und der Tongji-Universität diskutierten darüber hinaus, wie sich Vertrauen und Übervertrauen in die Mensch-KI-Interaktion sicher gestalten lassen — und warum künftig nicht nur Chip und Modell, sondern die Systemorganisation über den Wettbewerb entscheidet.
Auszeichnungen: Diese Systeme gelten als führend
Zum Abschluss wurden die „Top-10-Tech-Ergebnisse für intelligente Cockpits 2026" vergeben. Ausgezeichnet wurden unter anderem das multimodale Interaktionssystem Spark Cockpit von iFLYTEK (科大讯飞), der Dual-Brain-Cockpit-Agent Tianyuan von Baidu, das multimodale On-Device-Modell von Banma (斑马智行) sowie das Fahrassistenz-Betriebssystem von iSoft. Der parallel ausgetragene Designwettbewerb OPC verzeichnete 289 Einreichungen von Hochschulen, Unternehmen und freien Designern. Einen zweiten Preis sicherte sich Volkswagen (大众汽车) mit dem Konzept „Trust Co-Pilot" für ein gemeinsames Cockpit-System.
In Deutschland
Zu diesem Hersteller liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Das Modell ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

