Zeekr 8X: 885-PS-Hybrid-SUV ab 42.200 € – Europa-Start 2026
Während viele große chinesische SUV als „mobile Lounge" auftreten, geht Zeekr (极氪) beim neuen 8X einen anderen Weg: Im Vordergrund stehen Fahrwerksdynamik und Fahrerfeedback. Der hier getestete Zeekr 8X Ultra Plus, die zweithöchste Ausstattung, kostet in China ca. 51.200 € (ca. 399.800 Yuan). Die Basisversion startet bei ca. 42.200 € (ca. 329.800 Yuan)*. Das Modell soll nach dem Zeekr 9X ab Ende 2026 auch nach Europa exportiert werden.
Exterieur und Antrieb
Mit 5.100 mm Länge und 3.069 mm Radstand ist der 8X ein stattlicher SUV. Die Frontpartie beherbergt einen vorn eingebauten 2,0-Liter-Turbo-Ottomotor (205 kW), was den Vorderwagen verlängert. Aktive Kühlergrill-Lamellen in beiden Lufteinlässen senken den Luftwiderstand. Die Matrix-LED-Scheinwerfer werden von einem einzelnen Lidar auf dem Dach ergänzt – weitere Lidar-Einheiten gibt es in dieser Konfiguration nicht. Die 22-Zoll-Räder mit 275er-Reifen verbessern den Kurvengrip, erhöhen aber Abrollgeräusche und Rollwiderstand. Statt versenkbarer Türgriffe setzt Zeekr auf konventionelle Klappen – ein Zeichen für mechanische Simplizität. Die Luftfederung kann die Bodenfreiheit im Geländemodus um 5 cm erhöhen und bei hohem Tempo um 3 cm absenken.
Der Zeekr 8X Ultra Plus basiert auf der SEA-S-(Haohan-S)-Super-Hybrid-Plattform, einem Range-Extender-Elektrofahrzeug (EREV). Sie kombiniert den 2,0‑T‑Verbrenner mit einem Dual-Motor-Elektroantrieb, der zusammen 660 kW (885 PS) leistet. Die Spitzenversion Yao Ying erreicht sogar 1.381 PS – allerdings nicht im getesteten Fahrzeug. Der 70-kWh-Akku arbeitet mit 900‑Volt-Architektur und unterstützt 6C-Laden – eine Ladung von 20 auf 80 Prozent dauert unter Idealbedingungen rund 9 Minuten. Die elektrische Reichweite beträgt 410 km (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) – entspricht ca. 350 km (WLTP-Schätzwert). Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in ca. 3,7 Sekunden. Die Leistungsentfaltung ist linear und vermeidet abrupte Drehmomentspitzen.
Fahrwerk und Assistenzsysteme
Das Fahrwerk kombiniert Doppelquerlenker vorn mit Mehrlenker hinten, Zwei-Kammer-Luftfedern und kontinuierlich verstellbare Dämpfer. Ein elektronisch geregeltes aktives Wankstabilisierungssystem passt die Wanksteifigkeit dynamisch an: In Kurven reduziert es die Seitenneigung, bei niedriger Traktion ermöglicht es mehr Radverschränkung. Die Lenkung reagiert direkt für ein Fahrzeug dieser Größe. Allerdings fehlt eine Hinterachslenkung, was den Wendekreis vergrößert.
Zwei technische Einschränkungen fielen im Test auf: Ab Autobahntempo dominieren Reifengeräusche (bedingt durch 275 mm Breite und 22 Zoll). Zudem überträgt die Hinterachse vertikale Stöße auf unebenerem Untergrund spürbarer als die Vorderachse – ein Hinweis auf unterschiedliche Dämpferabstimmung zwischen den Achsen.
Das Assistenzsystem des Ultra Plus nutzt einen einzelnen Dach-Lidar plus Kameras und Radar. Auf der Autobahn funktionierten Spurhalte- und Abstandsregeltempomat ohne abrupte Deaktivierungen. Höhere Ausstattungen bieten bis zu 1.400 TOPS Rechenleistung, waren aber nicht im Testwagen verbaut.
Innenraum – Komfort mit kleiner Makel
Im Cockpit dominieren zwei Displays: ein Zentralbildschirm und ein Beifahrerdisplay. Systemreaktionen blieben im Test stabil. Wichtige Funktionen wie Fahrmodus und Fahrhöhe lassen sich über physische Tasten bedienen – ein Plus für die Bedienung während der Fahrt. Die Materialanmutung ist hochwertig: weiche Oberflächen an Armaturenbrett und Türverkleidungen, Echtholz-Zierleisten, Alcantara-Dachhimmel. Die Polsterung der Vordersitze bietet moderaten Seitenhalt. Im Fonds gibt es elektrisch verstellbare Sitze, Klapptische und eine Kompressor-Kühlbox in der Mittelkonsole. Ein hinterer Kontrollbildschirm ist vorhanden, aber funktional redundant. Kritikpunkt: Die Ambientebeleuchtung leuchtet nicht gleichmäßig – punktförmige Lichtquellen stören den Gesamteindruck.
Konkurrenz und Marktposition
Zu den Wettbewerbern zählen Li Auto L7, AITO M7 und der BMW X5 Plug-in-Hybrid. Der Zeekr 8X differenziert sich durch seine 900‑Volt-Architektur, 660 kW Systemleistung und das aktive Wankstabilisierungssystem. Li Auto setzt auf Effizienz und Raum, AITO auf Softwareintegration, der BMW X5 auf mechanische Raffinesse – kann aber elektrisch nicht mithalten. Zeekr selbst verkaufte im ersten Quartal 2026 59.466 Fahrzeuge (plus 48,3 % zum Vorjahr). Der 8X soll das Volumen im hart umkämpften Preissegment um 400.000 Yuan stabilisieren.
*Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Ein Europa-Export des Zeekr 8X ist ab Ende 2026 geplant. Konkrete Preis- und Modellvarianten für Deutschland stehen noch nicht fest. Angesichts des Erfolgs des Zeekr 9X dürfte der 8X auch hierzulande auf Interesse stoßen – besonders wegen seines fahrdynamischen Ansatzes und der 900‑Volt-Technik.


