CATL setzt auf Lithium-Luft-Akku: Energiedichte wie Benzin
CATL (宁德时代), der weltgrößte Hersteller von Batterien für Elektroautos, hat auf dem „Powering the Nation Forum" im Juni 2026 erstmals öffentlich die Lithium-Luft-Technologie als strategisches Ziel genannt. Chefwissenschaftler Wu Kai bezeichnete sie als „Schwerpunkt des globalen Batteriewettbewerbs der nächsten Generation".
Die Lithium-Luft-Batterie: ein Energiesprung
Anders als herkömmliche Lithium-Ionen-Zellen, die Schwermetalle wie Nickel, Kobalt und Mangan benötigen, nutzt die Lithium-Luft-Batterie reines Lithium als Anode und Sauerstoff aus der Umgebungsluft als Kathodenreaktant. Das senkt Gewicht und Komplexität drastisch – weshalb sie auch als „atmende Batterie" bezeichnet wird.
Die theoretische Energiedichte liegt bei bis zu 12.000 Wh/kg – ein Wert, der an Benzin heranreicht (ca. 13.000 Wh/kg). Aktuelle Laborprototypen schaffen bereits über 1.200 Wh/kg. Das ist mehr als das Vierfache heutiger Lithium-Ionen-Zellen (250–270 Wh/kg) und deutlich mehr als die 500 Wh/kg, die von Feststoffbatterien erwartet werden. Im Erfolgsfall wären Reichweiten jenseits von 1.600 km keine Seltenheit mehr.
Überwindung historischer Hürden
Das Konzept der Lithium-Luft-Batterie ist nicht neu – erste Forschungen stammen aus den 1970er Jahren. Doch Feuchtigkeit und Kohlendioxid in der Luft sowie Probleme mit Katalysatorstabilität und Zyklenlebensdauer verhinderten bislang die Praxisreife.
Erst kürzlich gab es Durchbrüche:
- 2024: Ein Team der University of Illinois Chicago und des Argonne National Laboratory zeigte eine Lithium-Luft-Zelle mit über 700 Zyklen in luftähnlicher Umgebung.
- 2025: Ein weiteres Argonne-Team erreichte 1.200 Wh/kg und 1.000 Zyklen bei Raumtemperatur – eine Lebensdauer, die für den Automobileinsatz relevant ist.
Die Technologie könnte laut den Forschern ab etwa 2030 serienreif sein.
CATLs strategischer Fahrplan
CATL hat bereits Erfahrung mit neuen Chemien: Nach der Vorstellung der Natrium-Ionen-Batterie 2020 läuft deren Massenproduktion 2026 an. Erste Modelle wie der GAC Aion UT oder der Changan Oshan 520 nutzen sie bereits.
Mit dem Lithium-Luft-Projekt wird CATLs langfristige Strategie klar:
- Kurzfristig: etablierte Technologien für den aktuellen Marktbedarf
- Mittelfristig: Feststoffbatterien mit verbesserter Nutzererfahrung
- Langfristig: Lithium-Luft als theoretisches Maximum der Energiespeicherung
CATL hält einen weltweiten Marktanteil von 47,0 % bei Traktionsbatterien (April 2026) und führt seit fünf Jahren die Statistik der stationären Energiespeicher an (30,4 % im Jahr 2025, 121 GWh).
In Deutschland
CATL ist als Zulieferer für viele europäische Hersteller (BMW, Mercedes, VW) aktiv. Die Lithium-Luft-Technologie befindet sich jedoch noch im Laborstadium. Ein Marktstart in Europa ist frühestens nach 2030 zu erwarten – konkrete Produkte oder Kooperationen sind bislang nicht bekannt.



