CATL: 15.000 Zyklen und Einheitsgehäuse für Lithium und Natrium
Der chinesische Batterieriese CATL treibt die Natrium-Ionen-Technologie mit einer neuen Plattform voran, die Lithium und Natrium in einheitlichen Gehäusen vereint. Vorgestellt wurde das Konzept „One Shell, Two Cells“ (Ein Gehäuse, zwei Zelltypen) auf einer Veranstaltung des chinesischen Industrie- und Informationsministeriums (MIIT). Ziel ist es, die Schwäche von Lithium-Akkus bei extremer Kälte zu überwinden: Unter –25 °C halbiert sich die nutzbare Kapazität, die Ladezeit verdoppelt sich. Für Flotten in Xinjiang oder anderen Kälteregionen sind das massive Einbußen.
Ein Gehäuse für zwei Chemien
CATLs neue Plattform erlaubt es, Lithium-Ionen- und Natrium-Ionen-Zellen ohne Änderungen am Fahrzeug- oder Stationsdesign auszutauschen. Das Gehäuse, die Kühlung und die Anschlüsse sind identisch. Damit können Betreiber von Batteriewechselstationen wie NIOs (蔚来) Swap-Netz oder CATLs eigenem EVOGO-System je nach Region und Jahreszeit die passende Zellchemie laden – im Norden winterfeste Natrium-Packs, im Süden energiedichtere Lithium-Packs. CATL gibt an, dass die Zellen in künftigen Iterationen eine Reichweite von 600 km (CLTC – der chinesische Verbrauchszyklus liegt typischerweise 10–15 % über WLTP; entspricht ca. 510 km WLTP) erreichen sollen.
15.000 Zyklen als Branchenstandard
Ein zentraler Meilenstein der MIIT-Veranstaltung: Die gesamte Lieferkette hat sich auf 15.000 Lade-Entlade-Zyklen geeinigt – genug für eine Betriebsdauer von über 20 Jahren. Der Kathodenlieferant Ronbay Technology bestätigt, dass sein Natrium-Eisenphosphat-Material (NFPP) diesen Wert ebenfalls erreicht, bei einer Elektrodenverdichtung von 2,5 g/cm³. Ronbay baut seine Kapazität von derzeit 6.000 Tonnen bis Ende 2026 auf 28.000 Tonnen aus, bis 2027 sollen 300.000 Tonnen folgen. Dieser einheitliche Zyklen-Meilenstein ermöglicht die Amortisation teurer Infrastruktur wie Wechselstationen. Erst kürzlich schloss CATL mit HyperStrong einen Dreijahresvertrag über 60 GWh Natrium-Speicher ab.
Lieferkette: Synthetischer Hartkohle statt Kokosnuss
Um die Abhängigkeit von importierten Naturrohstoffen zu reduzieren, setzen chinesische Anodenhersteller zunehmend auf synthetischen Hartkohle. Wanhua Chemical stellt die Produktion um: Statt Kokosnussschalen, die anfällig für Lieferengpässe sind, kommen Harz- oder Kohle-basierte Alternativen zum Einsatz. Das Unternehmen erwartet, dass die Kosten für synthetischen Hartkohle bis Ende 2026 auf umgerechnet ca. 4.500 bis 5.100 € pro Tonne (ca. 35.000 bis 40.000 Yuan) sinken, langfristig sogar auf unter 3.200 € (unter 25.000 Yuan). Damit wäre die Produktion vollständig von Importen unabhängig.
CATL dominiert den Heimatmarkt
Die Natrium-Offensive kommt zu einem Zeitpunkt, an dem CATL seine Marktführerschaft bei Lithium-Batterien weiter ausbaut. Laut Daten von China EV DataTracker installierte CATL im April 2026 allein in chinesischen Fahrzeugen 29,06 GWh – ein Plus von 37,1 % gegenüber dem Vorjahr, was einem Marktanteil von 46,6 % entspricht. Trotz der Dominanz von Lithium sieht CATL Natrium nicht als Ersatz, sondern als paralleles System, das dort glänzt, wo Lithium an seine Grenzen stößt: bei extremer Kälte und hohen Zyklenanforderungen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
CATL ist weltweit tätig und liefert Batterien an viele europäische Hersteller. Die vorgestellte Technologie könnte auch in künftigen E-Autos und Wechselstationen in Deutschland zum Einsatz kommen.


