Zeekr 8X: 885-PS-Hybrid-SUV ab ca. 42.200 €
Während viele chinesische SUVs auf Komfort und Lounge-Atmosphäre setzen, geht der Zeekr 8X (极氪) einen anderen Weg: Er priorisiert Fahrdynamik und Fahrerfeedback. Das getestete Topmodell Ultra Plus kostet in China umgerechnet ca. 51.200 € (ca. 399.800 Yuan). Die Spitzenversion Yao Ying leistet bis zu 1.381 PS. Die Basisvariante startet bei ca. 42.200 € (ca. 329.800 Yuan). Zeekr meldete 10.000 Bestellungen innerhalb der ersten 30 Minuten des Vorverkaufs. Die Markteinführung in Europa ist nach dem 8X-Einstiegsmodell geplant, Exporte sollen nach Ende 2026 beginnen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Exterieur und Abmessungen
Der Zeekr 8X ist 5.100 mm lang, der Radstand beträgt 3.069 mm. Der vordere Überhang fällt länger aus, um den vorn eingebauten 2,0-Liter-Turbomotor aufzunehmen – eine für reichweitenoptimierte Konkurrenten untypische Proportion. Zur Aerodynamik tragen aktive Kühlergrillklappen in beiden Lufteinlässen bei, die sich bei geringerem Kühlbedarf schließen und so Luftwiderstand und Windgeräusche reduzieren. Die Ultra-Plus-Version ist mit einem einzelnen Lidar auf dem Dach ausgestattet. Das Fahrzeug rollt serienmäßig auf 22-Zoll-Rädern mit 275 mm breiten Reifen – das bringt hohe Seitenführung, aber auch höheren Rollwiderstand und Reifengeräusche. Statt versenkbaren Türgriffen setzt Zeekr auf konventionelle Türgriffe, was die mechanische Zuverlässigkeit erhöht. Die Luftfederung ermöglicht eine Höhenverstellung: bis zu 5 cm mehr Bodenfreiheit im Geländemodus und eine Absenkung um etwa 3 cm bei hohem Tempo. Weitere Extras sind eine verstärkte Dachreling und eine externe Stromversorgung mit 2.200 W.
Interieur und Komfort
Im Cockpit dominieren zwei Displays: ein zentraler Infotainment-Bildschirm und ein separates Display für den Beifahrer. Die Systemreaktion war bei Navigation, Medien und Multitasking stabil. Wichtige Funktionen wie Fahrmodus und Dämpferhärte lassen sich über physische Tasten bedienen – ein Pluspunkt für die Bedienung während der Fahrt. Die Materialqualität ist hochwertig: weiche Oberflächen an Armaturenbrett und Türverkleidungen, Echtholz-Applikationen an den Türinserts und ein samtartiger Dachhimmel. Sitzverstellung, Heizung, Belüftung und Memory-Funktion sind in die Türverkleidungen integriert. Die Verarbeitungsqualität ist gut, allerdings fällt die Ambientebeleuchtung uneinheitlich aus – sichtbare punktförmige Lichtquellen statt eines durchgehenden Lichtbands. Die Vordersitze bieten moderaten Seitenhalt. Im Fond gibt es elektrisch verstellbare Sitze, Klapptische und einen Kompressor-Kühlschrank in der Mittelkonsole. Ein zusätzlicher hinterer Bedienbildschirm ist vorhanden, dessen praktischer Mehrwert jedoch begrenzt ist, da die Funktionen bereits über das Hauptsystem abgedeckt werden.
Fahreindrücke
Der Zeekr 8X Ultra Plus basiert auf der SEA-S (Haohan-S) Super-Hybrid-Plattform. Er kombiniert einen 2,0-Liter-Turbomotor mit 205 kW (279 PS) und einen Dual-Motor-Elektroantrieb mit einer Systemleistung von insgesamt 660 kW (885 PS). Die Antriebsbatterie hat eine Kapazität von 70 kWh und arbeitet mit einer 900-Volt-Architektur. Sie unterstützt 6C-Laden, sodass eine Ladung von 20 auf 80 Prozent unter optimalen Bedingungen etwa neun Minuten dauert. Die elektrische Reichweite beträgt bis zu 410 km (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP), was etwa 350 km (WLTP-Schätzwert) entspricht. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in rund 3,7 Sekunden. Die Kraftentfaltung ist linear und vermeidet abrupte Drehmomentspitzen.
Das Fahrwerk besteht aus einer Doppelquerlenker-Vorderachse und einer Mehrlenker-Hinterachse, kombiniert mit Zweikammer-Luftfedern und kontinuierlich verstellbaren Dämpfern. Eine elektronisch gesteuerte aktive Wankstabilisierung passt die Wanksteifigkeit dynamisch an und reduziert die Seitenneigung in Kurven. Die Lenkung reagiert direkt, allerdings fehlt eine Hinterachslenkung, was den Wendekreis vergrößert. Zwei technische Einschränkungen fielen auf: Die breiten Reifen erzeugen bei Autobahntempo dominante Abrollgeräusche. Zudem überträgt die Hinterachse über unebene Fahrbahn stärkere vertikale Stöße als die Vorderachse – ein Hinweis auf unterschiedliche Dämpferabstimmung zwischen den Achsen.
Assistenzsysteme
Der Ultra Plus Testwagen nutzt ein Lidar-basiertes Fahrassistenzsystem mit einem einzelnen Dach-Lidar, unterstützt von Kameras und Radar. Auf der Autobahn arbeiteten Spurhalteassistent und adaptiver Tempomat ohne abrupte Deaktivierungen. Höherwertige Ausstattungsvarianten des Zeekr 8X bieten fortschrittlichere Sensorarrays und eine Rechenleistung von bis zu 1.400 TOPS – diese waren am getesteten Fahrzeug nicht verbaut.
Fazit
Der Zeekr 8X positioniert sich im Segment des Li Auto L7, des AITO M7 und des Plug-in-Hybrid-BMW X5. Er unterscheidet sich durch seine 900-Volt-Architektur, die 660 kW starke Dual-Motor-Einheit und die aktive Wankstabilisierung. Der Li Auto L7 punktet mit hoher Effizienz im Range-Extender-Betrieb und großzügigem Platzangebot, der AITO M7 mit Software-Integration. Der BMW X5 Plug-in-Hybrid bietet etablierte mechanische Finesse, kann aber in elektrischer Architektur und Spitzenleistung nicht mit dem Zeekr mithalten. Zeekr verzeichnete für das erste Quartal 2026 einen Absatz von 59.466 Fahrzeugen – ein Plus von 48,3 Prozent zum Vorjahr – und untermauert damit die Bedeutung des 8X als Volumenmodell im hart umkämpften Preissegment um 400.000 Yuan (ca. 51.200 €).
Der Zeekr 8X ist in Deutschland noch nicht erhältlich. Eine Europa-Einführung ist nach dem Marktstart des Zeekr 9X geplant, Exporte werden nach Ende 2026 erwartet.







