CATL treibt Natrium-Ionen-Batterie voran: 175 Wh/kg
CATL setzt auf Natrium-Ionen ohne Konkurrenz
Am 22. Juni 2025 stellte CATL (宁德时代) in München das stationäre Energiespeichersystem „Tianheng“ auf Basis von Natrium-Ionen-Zellen vor. CATL-Europa-Chefin Xu Jinmei gab bekannt, dass das Unternehmen bereits einen Dreijahresvertrag über 60 GWh für solche Speicher unterzeichnet hat – das entspricht etwa dem Siebenfachen der weltweiten Natrium-Ionen-Produktion des Jahres 2024. CATL-Chefwissenschaftler Wu Kai bestätigte mehrfach, die Massenproduktion der Zellen starte noch 2025.
Während die Festkörperbatterie in der Branche mit großem Tamtam gefeiert wird, erhält die Natrium-Ionen-Technologie vergleichsweise wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Mit Ausnahme von CATL hält sich die Konkurrenz auffällig bedeckt.
Technische Vor- und Nachteile
Die Vorteile von Natrium-Ionen-Zellen liegen auf der Hand:
- Rohstoffe: günstig und nicht von Importen abhängig
- Zyklenfestigkeit: theoretisch hohe Lebensdauer
- Tieftemperatur-Leistung: gute Kälteeigenschaften
- Unbrennbarkeit: keine Brand- oder Explosionsgefahr
Der größte Nachteil ist die geringere Energiedichte. CATL gibt 175 Wh/kg an – das liegt nahe an heutigen LFP-Zellen (180–200 Wh/kg). Allerdings bezieht sich dieser Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Zellebene, nicht auf die Systemebene (Packebene).
Reale Reichweite unklar
Für eine realistische Einschätzung der Reichweite im Fahrzeug wäre die Energiedichte auf Packebene entscheidend, da dort Gewicht und Volumen von Kühlung, Gehäuse und Verkabelung hinzukommen. Dieser Wert wird von CATL nicht genannt. Hinweis: Die Energiedichte von 175 Wh/kg wird von CATL im chinesischen CLTC-Zyklus gemessen; im europäischen WLTP-Betrieb läge sie schätzungsweise 10–15 % niedriger.
Die ideale Einsatzmöglichkeit wären daher Nutzfahrzeuge und Batteriewechsel-Systeme. Tatsächlich haben mehrere Hersteller Demonstrationsfahrzeuge vorgestellt, aber keinen Serienauftrag erhalten. CATL ist der einzige Zellproduzent, der alle drei Kriterien erfüllt: Jahreskapazität über 1 GWh, Verbau in einem serienmäßigen Pkw und ein konkretes Kooperationsmodell mit einem Fahrzeughersteller.
Drei Technologierouten – CATL und BYD wählen unterschiedliche Wege
Es gibt drei technische Pfade für Natrium-Ionen-Batterien: Schichtoxide, Polyanionen und Preußisch-Blau/Weiß. CATL setzt auf Schichtoxide (höhere Energiedichte), während BYDs (比亚迪) Tochter FinDreams auf Polyanionen setzt (bis zu 10.000 Zyklen). Die Preußisch-Blau-Route scheidet wegen Sicherheitsrisiken (mögliche Cyanid-Bildung) für den Fahrzeugeinsatz aus.
CATL ist derzeit der einzige Hersteller, der alle Hürden der Serienproduktion überwunden hat: von der Genehmigung durch das MIIT (chinesisches Industrie- und Informationsministerium) über die Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern (12–18 Monate Entwicklungszeit für BMS, Thermomanagement und Crash-Sicherheit) bis zur Markteinführung.
Strategische Bedeutung für die Branche
Natrium-Ionen-Batterien dienen nicht nur als günstige Alternative, sondern auch als strategisches Druckmittel: Da China bei Lithiumimporten zu rund 60 % von ausländischen Rohstoffen abhängig ist, signalisiert die Natrium-Ionen-Technologie den Ressourcenländern: „Wir können jederzeit umschwenken.“ Für Großkonzerne wie CATL und BYD geht es weniger um kurzfristige Gewinne als um langfristige Versorgungssicherheit.
BYD hat nach eigenen Angaben bereits zweistellige Milliardenbeträge in Natrium-Ionen investiert und liegt in der Produktion nur ein bis zwei Quartale hinter CATL zurück. Dennoch konzentriert sich BYD derzeit auf stationäre Speicher, während CATL sowohl in Pkw als auch in Speicherlösungen vorprescht. Im Segment der Fahrzeugbatterien bleibt CATL damit vorerst der einzige ernsthafte Anbieter.
Die Technologie ist noch nicht in europäischen Serienfahrzeugen verbaut. Aufgrund der geringeren Energiedichte ist zunächst mit Einsätzen in Nutzfahrzeugen oder als stationäre Speicher zu rechnen. Ein Marktstart in Deutschland ist frühestens 2026 denkbar, sofern sich Partner für den Fahrzeugeinsatz finden.

