KI-Cockpit-Kongress Suzhou: 1.000 Gäste, Huawei im Fokus
Am 8. September 2026 hat in Suzhou (Provinz Jiangsu) der internationale Smart-Cockpit-Kongress 2026 begonnen — nach Angaben der Veranstalter die größte Fachkonferenz für vernetzte Fahrzeuginnenräume. Gastgeber ist die China Society of Automotive Engineers (CSAE), das chinesische Pendant zum VDA. Mehr als 1.000 Vertreter aus Industrie, Forschung und Politik diskutieren unter dem Motto „Allumfassende KI, aktive Interaktion – Agenten definieren das nächste Cockpit-Ökosystem". Im Mittelpunkt: der KI-Agent als künftiger Bediener des Autos.
Drei tiefgreifende Umbrüche
CSAE-Generalsekretär Hou Fushen beschreibt in seiner Eröffnungsrede drei Veränderungen. Erstens werde KI vom Zusatzmodul zur nativen Basis des Cockpits — das Fahrzeug insgesamt rücke in eine „AI-native" Entwicklungsphase. Zweitens verschmelzen Cockpit und Fahrassistenz (ADAS) technisch zu einem System, Sicherheit und Bedienkomfort werden integriert gedacht. Drittens wandle sich der Wettbewerb von einzelnen Technologien hin zu domänenübergreifenden Ökosystemfähigkeiten.
Jiangsu hat sich laut Vize-Kreissekretär Wang Xiaofeng als Cluster für intelligente vernetzte Fahrzeuge etabliert, von der Fahrzeugfertigung bis zu Kernkomponenten. Suzhou allein zählt über 800 Unternehmen der Branche und ein Industrievolumen von mehr als ca. 12,8 Mrd. € (ca. 100 Mrd. Yuan). In diesem Jahr ging dort Momenta an die Börse, außerdem starteten die Open-Source-Community von Baidu (百度) Apollo und das Ostchina-Hauptquartier des Prüfinstituts CATARC.
Great Wall baut Cockpit für den Export
Great Wall Motor (长城汽车) zeigt am Beispiel seines coffee OS, wie Cockpits von regelbasierten Systemen zu KI-nativen Plattformen werden. Die Software sei inzwischen ein fahrzeugeigenes KI-Betriebssystem mit autonomer Wahrnehmung, Echtzeit-Reasoning, Domänenkopplung und Cloud-Anbindung, so CTO Wu Huixiao. Für den Export hat der Hersteller eine Architektur namens „1+3+N+AI" entwickelt, die weltweite Regulierung und kulturelle Unterschiede abfedern soll — für chinesische Hersteller mit Europa-Ambitionen ein entscheidender Punkt.
Huawei: HarmonyOS-Cockpit als offene Plattform
Huawei (华为) beschreibt den Wandel vom passiven Reagieren zur Absichtserkennung und menschenähnlichen Interaktion. Das HarmonyOS-Cockpit (鸿蒙智行-eigene Cockpit-Plattform) setzt auf ein multimodales Sprachmodell, passende Sensorik und Audio-Hardware. Die offene Plattform soll Herstellern eigene Differenzierung ermöglichen — die Branche kämpfe mit breiter Technikabdeckung, hohen Individualisierungswünschen und zunehmender Funktionsgleichheit konkurrierender Modelle.
Fünf Stufen für Cockpit-KI
CATARC Intelligent stellt ein Bewertungssystem für Cockpit-KI vor. Es ordnet Systeme in fünf Stufen ein:
- Stufe 1: Regelbasierte Reaktion auf Befehle
- Stufe 2: Situationsbezogene Unterstützung
- Stufe 3: Proaktive Dienste
- Stufe 4: Autonome Zusammenarbeit mehrerer Systeme
- Stufe 5: Domänenübergreifende Intelligenz über das gesamte Fahrzeug
Damit sollen Hersteller erkennen, wo ihre Systeme tatsächlich stehen. Prof. Guo Gang von der Universität Chongqing ordnet die Entwicklung ähnlich ein: Der Schritt von der reinen Sprachsteuerung (CL2) zur kognitiven Cockpit-Intelligenz (CL3) sei das eigentliche Ziel. ModelBest (面壁智能) setzt dagegen auf Rechenleistung direkt im Fahrzeug statt in der Cloud, weil Funklatenz, Datenschutz, Offline-Fähigkeit und Kosten sonst zum Problem würden.
Vivid-Technik in 2,8 Millionen Fahrzeugen
Die World UHD Industry Alliance meldet für ihre Vivid-Technik (HDR Vivid und AUDIO Vivid) bereits 25 Automarken, 62 Modelle und mehr als 2,8 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge. Die Kombination aus Bild- und Raumklangstandards soll die Innenraum-Unterhaltung auf Kinoniveau heben — für deutsche Premiumanbieter ein Bereich, in dem chinesische Wettbewerber derzeit schneller liefern.
Forschung: Vertrauen und „Harness"
Professor Cao Dongpu von der Tsinghua-Universität (清华大学) warnt vor zu viel und zu wenig Vertrauen in Fahrassistenz. Sein Team modelliert mit Daten aus realen Fahrversuchen, wann Nutzer die Kontrolle zu früh abgeben. Professor Ma Jun von der Tongji-Universität (同济大学) sieht den künftigen Wettbewerbsvorteil nicht mehr in Chips oder Modellen, sondern im „Harness" — also in der Fähigkeit, Systeme zu orchestrieren und Rechenleistung effizient zu nutzen.
Zehn Technologietreffer und ein Designpreis
Zum Abschluss wurden zehn „führende Technologieergebnisse" ausgezeichnet, darunter das Sprachcockpit-System von iFlytek (科大讯飞), der Cockpit-Agent „Tiangong" von Baidu, ein multimodales Fahrzeug-Sprachmodell von Banma (斑马) sowie ein Fahrassistenz-Betriebssystem von Puhua. Beim Designwettbewerb OPC gingen 289 Arbeiten ein. Zweite Plätze belegten die Tongji-Universität und Volkswagen (大众汽车) mit dem Konzept „Trust Co-Pilot".
Der Kongress in Suzhou zeigt vor allem eines: Chinas Industrie definiert das Cockpit nicht mehr über Displays und Sprachbefehle, sondern über lernende KI-Agenten. Für europäische Hersteller bedeutet das zusätzlichen Software-Druck — zumal chinesische Anbieter ihre Cockpit-Architekturen bereits für Exportmärkte umbauen.
In Deutschland
Zu diesem Hersteller liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Das Modell ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

