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ChanganSinaVon 7 Min. Lesezeit

Changan Qiyuan Q06: 11.000 Bestellungen in zwei Stunden

Der Changan Qiyuan Q06 startet in China in den Vorverkauf und positioniert sich bei ca. 19.200 €. Schon nach zwei Stunden liegen 11.000 Bestellungen vor.

Changan Qiyuan Q06: 11.000 Bestellungen in zwei Stunden

Changan (长安) hat am 4. September in China den Vorverkauf des Qiyuan Q06 (启源 Q06) gestartet. Der Mittelklasse-SUV ist das erste Modell der Submarke, das in großem Stil mit dem selbst entwickelten Fahrassistenzsystem TianShu LingHang (天枢领航) ausgeliefert wird. Die Submarke Qiyuan deckt eine Kernspanne von ca. 10.200 bis 25.600 € (ca. 80.000 bis 200.000 Yuan) ab; der Q06 selbst positioniert sich in der Klasse um ca. 19.200 € (ca. 150.000 Yuan) und tritt damit gegen Fahrzeuge wie den VW ID.4 oder das Tesla Model Y an — beides kompakte Elektro-SUVs, die deutsche Käufer als direkten Vergleich kennen.

Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

11.000 Bestellungen in zwei Stunden

Nur zwei Stunden nach Start des Vorverkaufs meldete Changan 11.000 Bestellungen. Besonders aussagekräftig ist die Ausstattungswahl: 53 Prozent der Kunden entschieden sich für die Topvariante mit dem Assistenzpaket TianShu LingHang Ultra. Rund 33 Prozent orderten die Version mit zwei Motoren und Heckantrieb.

Changan-Manager Li Rui (李睿) sieht darin ein Signal, dass Käufer in dieser Klasse nicht mehr nur nach Platz, Reichweite und niedrigem Preis entscheiden — Assistenz und Fahrleistung werden zum neuen Wertmaßstab. Besonders gefragt war die Version mit 700 km Reichweite nach dem chinesischen CLTC-Zyklus (CLTC, chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) — 700 km (CLTC) entsprechen ca. 595 km (WLTP-Schätzwert). Bislang waren hochwertige Assistenzsysteme in dieser Preisklasse meist höheren Segmenten vorbehalten.

Das System: TianShu LingHang

Anders als viele Wettbewerber setzt Changan beim Fahrassistenzsystem auf Eigenentwicklung statt auf zugekaufte Software. Das System ist Teil der „Beidou TianShu"-Architektur, die Changan als „ein Kern, drei Bereiche" beschreibt: ein KI-getriebenes Technologiezentrum sowie die Felder intelligentes Produkt, intelligentes Management und intelligente Fertigung. Zum Produktbereich zählen neben TianShu LingHang auch Cockpit, Fahrwerk, Antrieb, Fahrzeugsteuerung und digitale Dienste.

Warum aber ausgerechnet der Qiyuan Q06 als erstes Großserienmodell? Changan-Vizepräsident Yang Dayong (杨大勇) erklärt: „Als wir TianShu LingHang entwickelten, ging es uns immer um das Markenzeichen Changan. Deshalb musste aus Sicht der Markenkommunikation auch ein Modell der Marke Changan dazu passen." Genau deshalb wurde das System nicht als Zuliefererlösung an ein beliebiges Modell „angehängt", sondern im Q06 verankert. Man habe seit dem Start der Submarke auf die Serienreife von TianShu LingHang gewartet.

7,7 Milliarden Euro und 7.500 Mitarbeiter

Hinter dem System steht nach Angaben von Changan ein langfristiges Investment. Die wichtigsten Kennzahlen:

  • rund 7,7 Milliarden € (ca. 60 Milliarden Yuan) kumulierte Investition in das breite Intelligenz-Feld
  • davon knapp die Hälfte allein in den Produktbereich
  • 7.500 Mitarbeiter in der Entwicklung
  • mehr als 300 ausgewiesene Experten für intelligente Systeme
  • 39 Prozent der Teammitglieder mit Master-Abschluss oder höher

Daraus leitet Changan einen strategischen Anspruch ab: Es geht nicht um ein einzelnes Assistenzprojekt, sondern um eine vollständige Intelligenz-Plattform. Manager He Gang (贺刚) ordnet die Branche in drei Wettbewerbsrunden ein — erst der Verbrennungsmotor, dann die Batterie, heute die Intelligenz.

Drei Modelle entscheiden die nächste Generation

Tao Ji (陶吉) beschreibt den weiteren Technikpfad über drei Modellklassen. Ein Weltmodell soll das Umfeld verstehen — Verkehrsteilnehmer, Straßen, dynamische Situationen. Ein zweites Modell erfasst das Fahrzeug selbst und seine physikalischen Grenzen, denn am Ende müssen Fahrwerk, Antrieb, Lenkung und Bremse die Entscheidung tatsächlich umsetzen können. Die dritte Ebene ist die Datenbasis: Changan gibt an, bereits mehr als 50 Prozent der Daten automatisiert per KI zu annotieren.

Die Botschaft dahinter: Künftig entscheidet nicht ein einzelner Algorithmus, sondern die geschlossene Kette aus Daten, Modell, Rechenleistung, Verifikation, Serienproduktion und Rückmeldung.

Entwicklung in drei Jahren

Angesichts der Branchendebatte um vorschnell auf den Markt gebrachte Fahrzeuge verweist Changan auf den eigenen Entwicklungsprozess. Der Qiyuan Q06 sei über drei Jahre entwickelt worden, in 15 Technikfeldern, mit mehr als 1.000 Einzelprüfungen — von minus 50 Grad Celsius bis plus 50 Grad Celsius und über Regionen vom Qinghai-Tibet-Plateau bis zur Insel Hainan. Yang Dayong: „Das ist für Changan völlig normal." Man halte an dem Grundsatz fest, „keinen Meter, keinen Moment und keine Verifikation" auszulassen. Zugleich gelte: Entwicklung dürfe gründlich sein, die Reaktion auf Kundenfeedback müsse aber schnell erfolgen.

Stufe 3 rückt näher

Anders als beim heutigen assistierten Fahren verschiebt Stufe 3 autonomes Fahren (SAE-Klassifikation) vor allem die Haftungsgrenze. Changan bereitet nach eigenen Angaben die Serienproduktion von Stufe-3-Produkten für das Jahresende vor — die Freischaltung solle aber streng der nationalen Regulierung folgen. Erst mit entsprechender Betriebsgenehmigung würden passende Einsatzkontexte geöffnet, erst nach Erfüllung der Bedingungen für die Endkunden-Vermarktung werde die Funktion für normale Nutzer freigegeben.

Sprachsteuerung für den Assistenten

Ein weiteres neues Detail des Q06 ist die Steuerung per natürlicher Sprache. Nutzer können per Zuruf einen Spurwechsel, ein Abbiegen oder das Heranfahren an den Straßenrand verlangen. Changan betont, das solle den Assistenzmodus nicht ersetzen, sondern eine zusätzliche Kommunikationsschicht zwischen Mensch und Fahrzeug schaffen — etwa für Wünsche wie „folge dem grauen Wagen vorn" oder „hier bitte nicht die Spur wechseln". Perspektivisch verbindet Changan das mit seiner Vorstellung vom Auto als realer „Roboter"-Plattform: Wer autonom handeln soll, muss nicht nur sehen, sondern auch verstehen.

Qiyuan wird profitabel

Neben der Technik zählen die Geschäftszahlen. Laut Yang Dayong überschritt Changan Qiyuan im August weltweit 45.000 Einheiten; wegen voller Auftragsbücher und Lieferdruck peilt die Marke nach dem Q06-Start einen Monatsabsatz von bis zu 60.000 Fahrzeugen an. Bemerkenswert: Changan Qiyuan schreibt bereits Gewinne — für eine junge EV-Marke ungewöhnlich.

Als Gründe nennt Yang Dayong die Erfahrungen, die der Konzern zuvor mit Avatr (阿维塔) und Deepal (深蓝) gesammelt habe, sowie eine Bestseller-Strategie: Statt vieler Modelle konzentriere sich Qiyuan auf wenige erfolgreiche Fahrzeuge. Derzeit verkaufe die Marke pro Modell im Schnitt mehr als 6.000 Einheiten im Monat.

Deckel bei 25.600 €

Mit Lidar und End-to-End-Assistenz stößt der Q06 preislich in die 19.200-Euro-Klasse vor, was die Frage nach der Obergrenze der Marke aufwirft. Changan antwortet eindeutig: Qiyuan positioniert sich im Kernbereich von ca. 10.200 bis 25.600 € (ca. 80.000 bis 200.000 Yuan) und richtet sich an globale Mainstream-Familien. Das sei keine Einschränkung, sondern eine bewusste Markenentscheidung. Qiyuan werde keine Fahrzeuge über umgerechnet rund 38.400 € (ca. 300.000 Yuan) anbieten.

Chinas Markt: von über 120 auf rund 20 Marken

Yang Dayong wagt auch eine Prognose zum chinesischen Markt: Aktuell gebe es dort mehr als 120 Automarken, doch die Zahl der tatsächlich umsatzstarken Anbieter liege schon heute deutlich darunter. Nach der „80/20-Regel" könnte der Markt bis 2030 auf rund 20 Marken schrumpfen. Für Changan gehe es daher nicht um die Frage, ob man konkurriert, sondern darum, im nächsten Ausscheidungsrennen zu bleiben — mit Marke, Produkt und Technologie.

In Deutschland

Changan hat eine Europa-Expansion angekündigt; ein konkreter Deutschland-Marktstart ist noch nicht bestätigt. Die Submarke Qiyuan ist bislang ausschließlich in China erhältlich, ein Q06 ist in Deutschland nicht bestellbar. Für den Export plant Changan laut eigenen Angaben, die Fahrassistenz je nach Land mit lokalen Testsystemen und Rechenzentren abzusichern — der chinesische Systemstand lässt sich wegen unterschiedlicher Datenschutz- und Haftungsregeln nicht einfach nach Europa übertragen. Deutsche Käufer müssen den Q06 daher vorerst als China-Modell einordnen.


Changan hat eine Europa-Expansion angekündigt, ein konkreter Deutschland-Marktstart ist jedoch nicht bestätigt. Die Submarke Qiyuan ist bisher ausschließlich in China erhältlich, der Q06 in Deutschland nicht bestellbar. Für den Export will Changan Fahrassistenzsysteme je nach Land über lokale Testsysteme und Rechenzentren absichern, da Datenschutz-, Haftungs- und Straßenverkehrsregeln abweichen.

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